In 72 Stunden die Welt ein Stückchen besser machen

Die 72-Stunden-Aktion

Die 72-Stunden-Aktion ist eine Sozialaktion des Bundes der Deutschen Katholischen Jugend (BDKJ) und seiner Verbände. In 72 Stunden werden dabei in ganz Deutschland Projekte umgesetzt, die die „Welt ein Stückchen besser machen“. Dieses Motto ist der Ausgangspunkt aller Aktivitäten rund um die Aktion. 

Die Projekte greifen politische und gesellschaftliche Themen auf, sind lebensweltorientiert und geben dem Glauben „Hand und Fuß“. Als teilnehmende Gruppe setzt man sich konkret vor Ort im eigenen Sozialraum ein. Einen Raum, dessen Bedingungen und Probleme man kennt. Die Teilnehmenden werden dort für und mit anderen tätig, wo sie auch sonst im Alltag unterwegs sind. Seien es Begrünungsaktionen, Aktivitäten mit der lokalen Kita, dem Altenheim von nebenan oder anderen sozialen Einrichtungen, oder der Bau von Klettergerüsten: Jede Gruppe kann ihre 72-Stunden-Aktion ganz individuell planen und gestalten. Wichtig ist der gemeinsame Einsatz für andere oder mit anderen! Die Aktionen können unter anderem interreligiös, politisch, ökologisch oder international ausgerichtet sein. Die Aktion steht allen Menschen offen, die sich für eine solidarische, gerechte und bessere Welt einsetzen möchten. Welche Unterschiede es in den Projektvarianten gibt (Do-it oder Get-it), erklären wir im nächsten Abschnitt.  

Bei der 72-Stunden-Aktion 2024 haben insgesamt mehr als 80.000 Menschen teilgenommen! Mehr als 170.000 Menschen wurden mit den vielen unterschiedlichen Projekten erreicht. In ganz Deutschland engagierten sich 2.700 Gruppen für die gute Sache und konnten die Welt ein Stückchen besser machen!

Die Organisationsstruktur der 72-Stunden-Aktion

Die Hauptversammlung des BDKJ beschloss 2025, dass alle 4 Jahre eine 72-Stunden-Aktion stattfinden soll. Für jede Aktion wird eine Bundesvernetzungsgruppe eingesetzt, die aus Vertreter*innen der Jugendverbände und der Diözesanverbände des BDKJ besteht. Die Bundesvernetzungsgruppe trifft sich regelmäßig, um die Gesamtaktion zu planen, bundesweit zu koordinieren und zu steuern sowie um die Arbeit der verschiedenen Ebenen zu unterstützen und die Akteur*innen miteinander zu vernetzen. 

Die Aktion steht allen Gruppen offen, die sich beteiligen möchten - egal, ob sie Teil des BDKJ sind oder nicht. Alle Interessierten können sich mit einer eigenen Gruppe anmelden. 

Die Projektvarianten

Im Rahmen der 72-Stunden-Aktion können Aktionsgruppen zwischen folgenden Aktionsformen wählen: 

“Do it!”: Die Do-it-yourself-Variante
Die Aktionsgruppe hat von der Idee über die Planung bis zur Durchführung ihrer Aktion alles selbst in der Hand. Der regionale Koordinierungskreis prüft lediglich, ob das Projekt den Kriterien zur Aktion (siehe unten) entspricht und gibt den Aktionsgruppen bei Bedarf Hilfestellung und Beratung. Die Mitgliedsverbände und Jugendorganisationen haben die Möglichkeit, ihren Gliederungen ein bestimmtes politisches, soziales, ökologisches und verbandsspezifisches Thema vorzuschlagen. 

„Get it!“: Die Überraschungsvariante
Die Aktionsgruppe bekommt eine Aufgabe gestellt, die sie vorher nicht kennt. Der regionale Koordinierungskreis hat das Projekt zuvor entwickelt und die nötigen, vorbereitenden Kontakte hergestellt. Erst mit dem Startschuss zur Aktion teilt die Aktionspatin oder der Aktionspate der Gruppe ihr Projekt mit. 

Kriterien für Projekte 
Die Projekte sollen:
… einen direkten Bezug zur Umgebung haben oder international ausgerichtet sein: 
Mit der 72-Stunden-Aktion wollen wir Missstände im direkten sozialen Umfeld beseitigen. Wir setzen also nur Projekte für andere um. Neben dem unmittelbaren lokalen Bezug ist es auch möglich, Projekte im Rahmen einer internationalen Partner*innenschaft durchzuführen. 

… herausfordern:
Bei der 72-Stunden-Aktion lernen wir unsere Grenzen kennen, überwinden sie mit vereinten Kräften und machen das Unmögliche möglich. Dadurch werden alle Teilnehmenden motiviert; die Aktion ist für uns alle ein Erlebnis! 

Kleine Geschichte der 72-Stunden-Aktion

Schon in den 90er Jahren gab es Jugendliche, die sich damit beschäftigt haben, ihr Umfeld durch ähnliche Aktionen, wie die 72-Stunden-Aktion, zu verbessern. Sicher ist, dass vom 20.-23. Mai 1993 im KLJB-Landesverband Oldenburg eine kleinere Variante der uns heute bekannten 72h-Aktion stattfand. In 45 Orten des Landesverbandes bekamen ca. 1000 KLJBler*innen eine ihnen unbekannte Aufgabe mit dem Ziel, das Oldenburger Münsterland zu verschönern. Sie hatten 72 Stunden Zeit, diese Aufgaben zu bewältigen. 

Der BDKJ Paderborn beschloss im November 1996, im Jahr 1998 eine Sozialaktion unter dem Leitwort „50 Stunden ohne Kompromisse“ durchzuführen. Es sollte dabei nicht nur über die soziale Lage geredet werden, sondern es sollten auch Taten folgen, so der damalige Diözesanjugendseelsorger Georg Austen (heute Generalsekretär des Bonifatiuswerkes). Die Gruppen sollten erst am Tag der Aktion ihr Projekt erfahren, das von einer Institutionen gemeldet worden war, der die personellen und finanziellen Mittel zur Realisierung fehlten. 1998 realisierten Jugendliche die Projekte schließlich statt in 50 Stunden in 72 Stunden. Damit war der Name gefunden „72-Stunden-Aktion“. An der Grundidee „Handeln aus dem Glauben“ hat sich seither nichts geändert. 

2001 führte der BDKJ Freiburg seine erste 72-Stunden-Aktion durch, die er bereits drei Jahre später wiederholte, weil sie „Furore“ gemacht hatte. Begleitet wurden die Aktionen medial vom SWR3. Da der Sender über die Diözese hinaus zu empfangen ist, rief der BDKJ Freiburg auch Jugendverbände in Mainz, Rottenburg-Stuttgart, Speyer und Trier auf, sich zu beteiligen. Der Aufruf hatte Erfolg. Alle Diözesen beteiligten sich an der Aktion, die auch den Saarländischen Rundfunk als Medienpartner gewinnen konnten. Insgesamt nahmen 30.000 Jugendliche an der Aktion teil. 

2009 nahmen weitere Bistümer an der 72-Stunden-Aktion teil: Neben Aachen, Dresden-Meißen, Essen, Erfurt und Freiburg waren es auch Fulda, Köln, Limburg, Mainz, Münster, Paderborn, Rottenburg-Stuttgart, Speyer und Trier. An der bis dahin größten Aktion nahmen 100.000 Jugendliche teil. 

2013 wurde die 72-Stunden-Aktion erstmals bundesweit durchgeführt. An ihr beteiligten sich 115.000 Kinder und Jugendliche, unterstützt von 60.000 Erwachsenen an 4.000 Orten. Außerdem beteiligten sich auch Partnerschaftsgruppen in anderen Ländern an der Aktion, so in Sambia und Peru. Die Aktion wurde zudem von viel Prominenz aus Kirche und Staat gefördert und begleitet. 

2019 wurde dann zur zweiten bundesweiten 72-Stunden-Aktion ausgerufen. Diesmal beteiligten sich über 85.000 junge Menschen und erreichten in 3.400 Projekten über 160.000 Menschen. Bei der Aktion machen längst nicht nur Verbandler*innen und bei weitem nicht nur Katholik*innen mit. Die Beteiligten haben verschiedene Religionen, sozial unterschiedliche Herkünfte, kommen aus allen Altersschichten und einige auch aus dem Ausland. 

2024 war es wieder soweit. Zum dritten Mal hat der BDKJ zur bundesweiten 72-Stunden-Aktion aufgerufen. Über 80.000 junge Menschen engagierten sich in 2.700 Projekten und erreichten damit über 170.000 Menschen.